Initiative Gesundheitsnetz Rhein - Neckar - Dreieck

Tätigkeitsbericht der AG Niedergelassene Ärzte (Stand: 24. 11. 99)

 

Das Gesamtprojekt Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck hat die Verbesserung medizinischer Kommunikation und Information zum Ziel, wobei der Schwerpunkt bei der Übermittlung patientenbezogener Daten und telemedizinischen Diensten liegt. Da ein solches Vorhaben nur in Kooperation und in Teilprojekten zu realisieren ist, wurden Vertreter verschiedener medizinischer Bereiche von Anfang an aktiv eingebunden: Klinikum Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg (mit Vertretern von klinischer Forschung, Teleradiologie und Informatik) und die niedergelassenen Ärzte durch Einbeziehung der Kassenärztlichen Vereinigungen und einzelner interessierter Ärzte. Unterstützt wird das Gesamtprojekt auch von der Stadt Ludwigshafen, dem Technologiezentrum Ludwigshafen und den Firmen BASF und Knoll.

Die Arbeitsgruppe Niedergelassene Ärzte im Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck e. V. tagt seit Januar 1998 (12 Termine 1998, 1999 bisher 5 Sitzungen). Aktiv beteiligt sind neben fünf niedergelassenen Ärzten aus der Region einzelne Kollegen aus dem Klinikbereich, zwei Vertreter aus dem Vorstand des Gesundheitsnetzes (Klinikum Mannheim und Klinikum Ludwigshafen) und Vertreter des Vorstandes und der Verwaltung der Kassenärztlichen Vereinigung Nordbaden. Mit Mitgliedern der anderen Arbeitsgruppen (Teleradiologie, Notfallmedizin, Klinische Forschung, Datenschutz) besteht regelmäßiger Kontakt und Erfahrungsaustausch im Rahmen der AG-Sitzungen.

Entsprechend der urspünglichen Absicht des Gesundheitsnetzes Rhein-Neckar-Dreieck, sich an der MedNet-Ausschreibung des Bundeministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie zu beteiligen, wurden in der Arbeitsgruppe im Jahr 1998 zunächst Projekte diskutiert, die in einem solchen Rahmen zu realisieren wären. Dazu gehörten Patientenbuch (in Hybridform - elektronisch und auf Papier), elektronischer Notfallausweis, diagnosebezogene Vernetzungsmodelle (kardiologischer Notfall, neurologischer Notfall, Diabetes, chronischer Rückenschmerz). Gleichzeitig wurde Kontakte zu unterschiedlichen Partnern (u. a. verschiedene interessierten und in Netzen aktiven Ärzte, Pharmaindustrie, Anbietern von elektronischen Diensten und Software) geknüpft. Im Sinne einer Selbstverständigung der AG-Mitglieder mußten grundsätzliche organisatorische und inhaltliche Fragen der Vernetzung und Kooperation geklärt werden, wobei von Anfang an sektorenübergreifende Lösungen angestrebt wurden.

 

Innerhalb der Arbeitsgruppe konnte über einige Grundsatzfragen weitgehende Übereinstimmung erreicht werden:

Vorgehen, Zeitplan von Vernetzung: Vernetzte Strukturen benötigen die aktive Mitarbeit aller Beteiligten. Aufgrund der technischen Ausgangssituation, der unterschiedlichen Interessenlage und der notwendigen Abstimmungsprozesse sind Lösungen derzeit nur in Form umschriebener Modellprojekte vorstellbar. Dabei spielen inhaltliche und organisatorische Fragen eine weit wichtigere Rolle als technischen Lösungen, die kurzfristig verfügbar wären. Eine Abstimmung mit parallel laufenden Vorhaben kann den Entwicklungsaufwand verringern. Proprietäre Lösungen (Insellösungen) sollten vermieden werden. Entwicklung von Praxisnetzen und Vernetzung ambulant - stationär erfolgen ein der Regel bottom-up und und in lokal überschaubarem Rahmen.

Inhaltliche Schwerpunkte: Auch wenn Kostenersparnis nicht das entscheidende Ziel sein kann, kommt der ökonomischen Seite eine wichtige Bedeutung zu. Aber auch unter dem Gesichtspunkt verbesserter Versorgungsqualität lohnen sich vernetzte Strukturen nur bei häufig vorkommenden Krankheitsbildern. Neben den zunächst im Blickfeld stehenden Notfallsituationen (beim Übergang ambulant - stationär) sind dies die häufigen internistischen Krankheitsbilder Diabetes, (koronare) Herzkrankheit, Asthma, interdisziplinär Onkologie, Schlaganfall, Haut/Allergien, chronischer Rückenschmerz und mit zunehmender Bedeutung Demenz.

Managment: Vernetze Strukturen benötigen verbindliche organisatorische Strukturen, die in der Regel erst entwickelt werden müssen. Als Minimallösung wird ein eingetragener Verein angesehen. Bei Vertragslösungen mit den Krankenkassen sollte die KV einbezogen werden. Daß es ein Netzmanagement geben muß, ist unbestreitbar. Nicht ausdiskutiert wurde, welche Rolle es spielt, welche Kompetenz es haben soll und welche Voraussetzungen es erfüllen muß.

Elektronische Plattformen: Trotz überregionaler Bemühungen um technische Standards (HPC, EU/G7, XDT, Datensicherheit) muß derzeit mit Übergangslösungen gearbeitet werden. Daher sind Informationstechnologien auf ihre Eignung für den beabsichtigten Zweck, Flexibilität, Schnittstellen zu gängigen Programmen und zukünftige Erweiterbarkeit zu prüfen.

Datenschutz: Anforderungen des Datenschutzes und der ärztlichen Schweigepflicht werden als prinzipiell lösbar angesehen. Bei der Weitergabe und dem Abruf patientenbezogener Daten ist in der Regel die ausdrückliche (schriftliche) Einwilligung des Patienten erforderlich. Eine frühzeitige Einbeziehung der Datenschutzverantwortlichen ist anzustreben.

Politische Rahmenbedingungen: Die politische Rahmenbedingungen lassen sich aus den Diskussionen nicht ausklammern. Vor allem bei Fragen der Vergütung und Vertragsgestaltung kommen gesellschaftlich Zielvorgaben zum Tragen. Dennoch sollt die Ziele verbesserter Patientenversorgung und verbesserten Informationsaustausch relativ unabhängig von politischen Zielsetzungen und Absichten gesehen werden.

 

Beschreibung der einzelnen Projekte und Stand der Realisierung

Elektronisches Patientenbuch: Anforderungen formuliert - Realisierung in Vorbereitung

Notfallausweis: Anforderungen formuliert - Realisierung in Zusammenarbeit mit AK Notfallmedizin

Rückenschmerz: Projektplan formuliert - wegen unzureichender Resonanz und zu großer Komplexität aufgegeben

Diabetes: Diabetes-Schulungs-Projekt in Mannheim - mit Ausweitung auf andere Krankheitsbilder

Heidelberger Qualitätsnetz Medizin: als elektronische Plattform mit drei Ebenen konzipiert - an privaten Provider übergeben (Arnika.de bzw. Nordbadenmed.de)

Regionale Praxisnetze: Arbeitsgruppe auf dem Kongreß des Gesundheitsnetzes im Mai 1999 gegründet

 

Zum Erfahrungsaustausch und zur eigenen Fortbildung haben Mitglieder der Arbeitsgruppe an folgenden Kongressen und Tagungen teilgenommen:

2. - 3. 10. 1998: 2. Bundestreffen vernetzter Arztpraxen in Frankfurt/Main

2. - 3. 10. 1998: PraxisNetz-Werkstatt in Berlin

21. 11. 1998: 4. Bundes-AG-Treffen vernetzter Arztpraxen in Frankfurt/Main

18. - 19. 3. 1999: Symposium der KBV: Praxisnetze - Innovation des Gesundheitswesens in Königswinter

 

Partner und Kontaktpersonen

Einzelne Anbieter und Vertreter von Firmen haben ihren Arbeitsbereich bzw. ihre Produkte auf den Sitzungen der AG vorgestellt: Schwarz-Pharma, Byk Gulden, ct-arzneimittel, Connected Society, Diamant-Software. Weiter gab es Projektvorstellungen bei den Sitzungen des Gesamtvorstandes (Lenkungsausschuß), darunter Deutsches Gesundheitsnetz, MVB – Medizinverbund Bundesrepublik, debis, Siemens, und zahlreiche Kontakte in informellem Rahmen.

 

Weitere Aktivitäten

Beim Kongress "Gesundheitsnetz 1999: Medizinische Kommunikation und Telemedizin" am 9. und 10. Juni 1999 in Ludwigshafen wurden von der Arbeitsgruppe die Workshops "Vernetzung zwischen Klinik und Praxis", "Vernetzung in der Diabetestherapie" und das "Forum regionaler Praxisnetze" organisiert und mitgestaltet. Einzelheiten dazu auf der Kongress-CD-ROM und unter http://www.gn-rnd.de.

Da aufgrund der politischen Vorgaben das Thema "Integrative Versorgungsformen" in den letzten Jahren zunehmende Bedeutung erlangt hat, sind inzwischen eigene Arbeitskreise bei der Bezirksärztekammer Nordbaden ("Arbeitskreis elektronische Kommunikation") und bei der Kassenärztlichen Vereinigung Nordbaden ("Arbeitskreis Vernetzung und Kooperation" enstanden. Mit beiden Arbeitskreisen gibt es (auch aufgrund personeller Verflechtungen) regelmäßigen Kontakt und inhaltliche Abstimmung.

 

Künftige Aufgaben und Schwerpunkte

Die Arbeitsgruppe versteht sich als Forum zu Diskussion und Erfahrungsaustausch. Unsere Aufgaben sehen wir in der Propagierung und Initiierung von Projekten und Netzaktivitäten, in der ideellen und organisatorischen Förderung und in der Informationssammlung und –weitergabe zur Verallgemeinerung lokaler Entwicklungen, die dann auch für andere leichter realisierbar werden. Ein eigenes Netz wird von der Arbeitsgruppe nicht angestrebt.

Bei zukünftigen Aktivitäten beachten wir die folgenden zwei Dimensionen:

Vermittlung vertikal - Erfahrungsaustausch und Informationsweitergabe über normierende (auch gesetzliche) Entwicklungen, etwa Standards zum elektronischen Arztbrief, Entwicklung der Health-Professional Card, Speichermedien, Forum Telematik im Gesundheitswesen, Datenschutzbestimmungen, Forum regionaler Praxisnetze

Vermittlung horizontal – Erfahrungsaustausch zwischen gleichzeitigen, örtlichen Aktivitäten und Vermittlung zwischen dem ambulanten und stationären Bereich, wenn es um Vernetzungsaktivitäten geht. Gerade der letzte Punkt dürfte für die Zukunftsfähigkeit aller Entwicklungen im Gesundheitswesen die entscheidende Rolle spielen.

 

Kontakt: Dr. med. Stefan Bilger, Facharzt für Allgemeinmedizin, Umweltmedizin, Bahnhofstr. 6, 69221 Dossenheim, Tel. 06221 / 869575, Fax 06221 / 864103, http://www.bilger.de